Hitler war wengistens ehrlich
13/11/2010 4 Kommentare
Europa, allen voran Deutschland und Frankreich, entfremdet sich immer mehr von Amerika. Doch das 21. Jahrhundert wird nicht in Europa entschieden sondern im asiatisch-pazifischen Raum. Die europäische Arroganz gegenüber Amerika ist unangebracht und lenkt von den eigenen historischen und gegenwärtigen Sündenfällen ab. Dieser Text von Ralph Peters ist 2003 in der FAZ erschienen und erschreckend aktuell.
Oh, wir wissen, wie ihr uns seht. Ihr sagt es uns ja ständig. Wir sind ungebildet, weil wir nicht sagen können, wann die Uraufführung des “Rheingolds” war. Wir sind herzlos, weil unsere Gesellschaft Chancen über Sicherheit stellt. Wir sind naiv, weil wir eure Vorurteile nicht teilen. Wir sind Kriegstreiber, weil wir immer noch glauben, daß ein paar Dinge es wert sind, verteidigt zu werden. Und jetzt sind wir Nazis, weil wir einen Diktator absetzen, der sein eigenes Volk und seine Nachbarn abgeschlachtet, Terroristen Unterschlupf gewährt und in den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu gelangen versucht hat.
Natürlich kauft ihr weiterhin die Produkte unserer Kultur. Eure intelligentesten jungen Leute kommen zu uns, um hier zu arbeiten. Wir Amerikaner haben den Rassismus überwunden, der Deutschland und Frankreich zerfrisst (wir warten darauf, in Berlin einen türkisch-deutschen Colin Powell oder in Paris eine Condoleeza Rice senegalesischer Abstammung zu treffen). Wir teilen also gewiss nicht eure Vorurteile. Und nach den Ereignissen vom 11. September 2001 werden wir nicht warten, bis wir wieder angegriffen werden, sondern vorsorglich überall dort zuschlagen, wo wir das für notwendig halten – und das werden wir tun, ohne Europa noch einmal um Erlaubnis zu fragen. Nach europäischen Maßstäben sind wir also tatsächlich Kriegstreiber. …
Wir werden nicht länger dem europäischen System folgen, wonach Diktatoren innerhalb der Grenzen ihres Landes tun und lassen dürfen, was sie wollen. Eure Forderung nach der Achtung nationaler Souveränität bedeutet nur, daß Hitler vollkommen akzeptabel gewesen wäre, wenn er nur nicht die Juden ermordet hätte. Und wir werden uns auch nicht mehr an die Traditionen von Königen und Kaisern halten, wonach Staatsoberhäupter vor persönlicher Bestrafung sicher sind, ganz gleich welche Verbrechen sie begehen. Wir werden die wirklich Schuldigen verfolgen, nicht die Massen. Und noch so laute Beschimpfung am Brandenburger Tor oder auf der Place de la Concorde wird uns davon nicht abhalten. Wir sind fertig mit eurer Lust, über vergangene Holocauste zu weinen, aber nicht bereit zu sein, neue Holocauste zu verhindern oder zu beenden. Srebrenica ist das europäische Modell. Bagdad ist unseres. …
Darf ich, als Amerika-Fan, die “Tea Party” nicht mehr als die dümmste politische Bewegung, seit langem, bezeichnen – mit unerträglichen Goofies als Gallionsfiguren?
Darf ich meine Sorge über die von der Fed installierte Botox Ökonomie (die Symptome kosmetisch behandelt, aber nicht beseitigt) nicht mehr äussern?
Muss ich mir das selbstständige politische Denken abgewöhnen, weil es gibt ja die USA-Constitution-full-stop?
Ich Srebrenica – RP Bagdad?
RP klingt ja fast so beleidigt, wie ein Koranprediger nach dänischen Karikaturen?
Ist das weite amerikanische Herz in der Zwischenzeit in Alaska erfroren?
Klar Herbert, darfst du. Und nicht nur hier auf diesem Blog. Sind also nur sehr rhetorische Fragen, die ans leidige “man wird ja wohl noch sagen dürfen” erinnern. Und RP darf sich über die Scheinheiligkeit und Arroganz Europas entrüsten. Wie ich meine zurecht.
Im Übrigen hat es das Tea Party Movement 2003 noch nicht gegeben, auch die Geldpolitik der Fed ist nicht Thema des Artikels. Und niemand fordert, dass irgendwer das selbständige Denken aufgibt. Diesmal bist du es, der strawman arguments verwendet.
OK, der Punkt mit 2003 geht an Dich (meine selektive Oberflächlichkeit).
Auch das Strawmen-Hinweis muss ich partiell hin nehmen.
Es bleibt mein tiefes Unbehagen über diese Schwarz-Weiss Kategorisierung.
Natürlich sehe ich USA nicht als Geisel der Tea Party und natürlich gibt es nicht nur die Fehler der Fed …. Sonst wäre ich nicht USA-Fan.
Aber Europa wäre schnell aus dem Schneider, hätten wir nur den Mut zu USE.
Und Kant schadet nicht. Auch die ziemlich spannende, originelle Speculative Philosophy (Meillassoux, FR), vielleicht Grundlage neuen Denkens, in der quantitativen Finanz, nicht – Europa.
Strawmen wo mensch hin blickt
Besser kann man Barak Obama kaum charakterisieren.