S t a n d p u n k t e

Die Temelín Lüge

Ein Kommentar

In einem eindringlichen, sehr persönlichen und auch wissenschaftlich fundierten Essay analysiert Pavel Kohut den irrationalen, von nationalistischen Motiven getriebenen Widerstand gegen das tschechische Atomkraftwerk in Südböhmen und mahnt zur Vernunft.

Zu der immerwährenden Neutralität gesellte sich als zweite heilige Kuh Österreichs der fortwährende Kampf gegen die Atomernergie. …
Der Kampf gegen Temelín führt zu einer Art Kriegsrecht. Je länger er andauert, desto weniger werden Argumente zugelassen, die diesen Krieg abzuschwächen drohen.

Essay von Pavel Kohout lesen (pdf-Scan) »

In der ZEIT findet Anton Pelinka klare Worte über die „Narretei ob der Enns“.

Es gibt gute und vor allem sehr ehrenhafte Gründe, Atomkraftwerke generell zu bekämpfen. Es gibt aber überhaupt keine guten und schon gar keine ehrenhaften Gründe, speziell gegen das Kraftwerk im südböhmischen Temelín Sturm zu laufen.

Man stelle sich vor: Österreich würde von der französischen Republik verlangen, regelmäßig bei der Regierung in Wien Rechenschaft über den Sicherheitsstatus der französischen Kernkraftwerke abzulegen. Man stelle sich vor: Atomgegner blockierten in regelmäßiger Unregelmäßigkeit die österreichisch-deutsche Grenze, um etwa gegen den betagten Siedewasserreaktor Isar I in Niederbayern zu protestieren. Davon ist natürlich keine Rede. Oberösterreichische Schulklassen sind immer nur an die tschechische Grenze transportiert worden, um Österreichs Sendung in Europa demonstrativ Ausdruck zu verleihen.

… Das ist eine für jeden betroffenen Staat unerträgliche Arroganz: Österreich maßt sich an, besser als die hoffentlich doch auch um die Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger besorgten tschechischen Behörden zu wissen, welche Standards ein tschechisches Kraftwerk zu erfüllen hat. Und die Medien spielen mit: Was da ständig an »Störfällen« aus Temelín gemeldet wird, mag der Stärkung der österreichischen »Antiatomreligion« (Kohout) dienen. Wie aber steht es mit analogen »Störfällen« in den übrigen europäischen Atomkraftwerken? Halbwegs vernunftbegabte Laien können davon ausgehen, dass die Störanfälligkeit in Südböhmen nicht grundsätzlich größer ist als jene in Schweden, Großbritannien oder Ungarn. Aber der ORF und die österreichischen Printmedien berichten aufgeregt über jeden »Störfall« aus Südböhmen. Für Störfälle bei anderen Atomkraftwerken ist man nicht zuständig.

Auf österreichischer Seite findet in Sachen Temelín ein Schulterschluss von fundamentalistischer Antiatompolitik mit all jenen statt, die das Thema für ihre xenophobe und antieuropäische Agenda zu nützen versuchen. Unter einer grünen Tarnfarbe findet sich rasch das bekannte Ensemble von Vorurteilen und Aggressionen. …

Warum haben die Behörden immer wieder Anti- Temelín-Grenzblockaden hingenommen? Wäre nicht die Straße vor der tschechischen Botschaft in Wien ein wesentlich passenderer Ort für Proteste und Demonstrationen? (pdf)

Weiterlesen »

Autor: Fremde Federn

Beiträge anderer Autoren

One thought on “Die Temelín Lüge

  1. Hallo!
    Schöne Zusammenstellung der Artikel.
    Super auch, dass du den Kohout-Essay vom Profil eingescannt hast. Ich hatte ihn in der damaligen Ausgabe gelesen, und war erfreut ihn hier wiederzufinden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s