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Alte Kameraden

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Man sollte das eigentlich kennen: Wenn “Ehemalige” zusammenkommen, brechen Dinge hervor, die man schon lange vergangen glaubte. Nichtsdestotrotz ließ Das Erste einen ehemaligen Minister und ihren ehemaligen “Nahost-Experten” mit Unterstützung des ehemaligen Direktors des Deutschen Orient-Instituts auf einen ehemaligen Botschafter los. Dass Michel Friedman es in diese Runde geschafft hat, ist wohl nur dem Umstand zu verdanken, dass er ehemaliger Talkmaster ist.

Rudolf Dreßler, früher deutscher Botschafter in Israel, war ausgesprochen ehrenhaft, Michel Friedman eloquent wie immer.

Wirklich großes Kino hat das Dreigestirn Blüm / Kienzle / Steinbach geboten. Es lässt einen frösteln, live zu sehen, welche Ressentiments aus Kienzle und Blüm hervorbrechen, wenn sie meinen, endlich einmal Israel kritisieren zu dürfen und dann doch nur auf die Juden losgehen. An Udo Steinbach ist hingegen nur interessant, wie irgendjemand einmal auf die Idee gekommen ist, ihn als Nahost-Experten zu bezeichnen.

Dass es beim Thema “Blutige Trümmer in Gaza – Wie weit geht unsere Solidarität mit Israel?” nicht nur um die israelische Politik oder das Vorgehen der IDF ging, haben die drei Experten von Anfang an klar gemacht: Sie waren nie dazu imstande, das israelische Militär, die israelische Regierung, die israelische Bevölkerung, die Juden und Michel Friedman auseinanderzuhalten. Jud’ ist eben Jud’, das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Einen ersten Höhepunkt liefert der Nahost-Experte Nr. 1, den die Frage nicht mehr schlafen lässt, warum die Hamas eine Terrororganisation ist und das IDF nicht, wenn doch am Ende immer tote Zivilisten übrig bleiben. Um sein Grübeln zu beenden: Das Ziel der Hamas Terroristen ist es, so viele israelische Zivilisten wie möglich zu töten. Das Ziel der israelischen Armee ist es, die eigene Bevölkerung zu schützen, die Terroristen zu besiegen und zivile Opfer möglichst zu vermeiden. Im ersten Fall sind tote Zivilisten also das Ziel des Angriffs, im zweiten Fall eine schreckliche aber eben unbeabsichtigte Kriegsfolge. Diese Folgen sind umso grauenhafter, wenn die Gegner die eigene Bevölkerung in Geiselhaft nehmen und als menschliche Schutzschilder missbrauchen. Ist eigentlich nicht schwer zu begreifen, außer man war Nahost-Experte der ARD und heißt Ulrich Kienzle.

“Welche Solidarität?”, fragt man sich auch, wenn ein öffentlich rechtlicher Sender dem Nahost Experten Nr. 2 eine Bühne dafür bietet, Israel voller Zorn als alleinige Ursache allen Übels zu identifizieren, kein noch so dummes Klischee auszulassen, und sich dann noch wehleidig über die “Antisemitismus-Keule” zu beklagen. “Das Problem liegt doch dort, dass Israel seit 40 Jahren ein Land besetzt hält, die Bevölkerung vergewaltigt und drangsaliert, …”. Dafür wäre eigentlich das Jahrestreffen des Hamburger Kameradschaftsbundes Öffentlichkeit genug.

In solcher Gesellschaft will der Universalexperte Norbert Blüm natürlich nicht zurück stehen. Ich kann mich irren, aber mir ist nicht in Erinnerung, dass Blüm jemals öffentlich für ein israelisches Attentatsopfer auch nur einen Bruchteil jener leidenschaftlichen Empathie gezeigt hätte, die er für einen palästinensischen Jungen aufbringt, der von einem israelischen Soldaten unfreundlich behandelt worden ist. Dass er den Israelis einen “Vernichtungskrieg” vorgeworfen hat, erklärt der eloquente Hansdampf in allen Talkshows dann auch allen Ernstes damit, “kein Experte für Philologie” zu sein. Geschenkt, hat auch mehr mit Geschichte zu tun als mit Sprachwissenschaften. Niemand unterstellt Blüm, Terroristen zu verteidigen. Aber er misst mit zweierlei Maß, wenn er Worte wie “verbrecherischer Krieg, schikanieren, demütigen und quälen” ausschließlich mit Israelis in Zusammenhang bringt. Das und alles andere an diesem Abend hat man schon einmal gehört, aber “eigentlich können doch Christen gar keine Antisemiten sein”, war dann doch irgendwie neu. Das wusste ich bisher nur von Moslems.

Zumindest wurde die Frage, was man in Deutschland über die Juden sagen darf, eindeutig beantwortet: Eh alles. Die paar Grauslichkeiten, die es nicht auf die Homepage geschafft haben, zitiert man als “primitiven Antisemitismus” in der Sendung. Der ist natürlich pfui. Fragt sich nur, was der Gegensatz dazu sein soll, den man dann auch guten Gewissens veröffentlicht. Der “normale” Antisemitismus, oder der “begründete” vielleicht?

Es bleibt die Gewissheit, dass es diesen Protagonisten der palästinensischen Sache erst in zweiter Linie um die Palästinenser geht, sonst würden sie irgendwann einmal deren arabische Nachbarn gleichermaßen in die Verantwortung genommen haben. Nein, es geht um Israel: kein Judenstaat, kein Problem. Dann ist endlich Frieden.

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