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Afrika wird armregiert

2 Kommentare

Michael Kreutz rezensiert im Transatlantic Forum das Buch von Volker Seitz: Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann. München 2009: dtv.

Noch nie zuvor gab es einen solchen Transfer von Hilfsgeldern. Die Länder Schwarzafrikas erhalten Entwicklungshilfe in einer Grösse von durchschnittlich 13 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts – und werden dennoch immer ärmer. Ghanas Pro-Kopf-Einkommen – zur Zeit seiner Unabhängigkeit das höchste des Kontintents – fiel von 440 USD 1992 in nur zehn Jahren auf 270. Heute lebt mehr als die Hälfte der 17 Mio. Ghanaer in Armut. Was ist schiefgelaufen?

Der Diplomat Volker Seitz kennt Afrika aus eigener langjähriger Erfahrung. Dass der Kontinent vom Rest der Welt in Armut gehalten werde, hält er für einen Mythos. In seinem Buch “Afrika wird armregiert” plädiert er stattdessen dafür, die westliche Entwicklungshilfe grundsätzlich zu überdenken. Seine These: Entwicklungshilfe nützt vor allem den Diktaturen – und den Eintwicklungshelfern, deren Tätigkeit sich schon lange verselbständigt hat.

Grundübel ist die schlechte politische Infrastruktur der meisten afrikanischen Länder, in der eine überbordende Bürokratie, grassierende Korruption und ein Mangel an Verantwortungsgefühl jeglichen Fortschritt lähmen.

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Zum selben Thema äußert sich auch Vince Ebert auf der Achse des Guten:

Pro Jahr fließen fast 70 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe dorthin. Alleine der Kongo, mit all seinen Bodenschätzen das potentiell reichste Land Afrikas, wird mit zwei Milliarden Euro Hilfsgeldern pro Jahr praktisch überflutet. Geld, das hauptsächlich für Präsidentenpaläste, Schnellfeuergewehre und Großraumlimousinen ausgegeben wird.

Wenn tatsächlich Projekte vorangetrieben werden, dann dienen sie vor allem dafür, den Geberländern Effektivität und Produktivität vorzugaukeln. Ähnlich wie in Russland zu Zeiten des Kommunismus. Damals baute man gigantische Maschinen, die Kohle und Erz förderten. Dann verbrannte man die Kohle, um das Erz zu schmelzen, das man dann zum Bau von gigantischen Maschinen benutzte, die Kohle und Erz förderten. Die nigerianische Regierung hat mehrfach bewiesen, dass das gleiche Konzept problemlos auch mit Erdöl funktioniert.

Seit 1960 wurde die Summe von sechs Marshallplänen in den schwarzen Kontinent gepumpt. Damals betrug der Anteil Afrikas (ohne Südafrika) am Welthandel neun Prozent. Heute liegt er bei 1,6 Prozent. Einziger Lichtblick: Man kann wohl auch in Zukunft keine Arbeitsplätze nach Afrika auslagern.

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Autor: Fremde Federn

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2 thoughts on “Afrika wird armregiert

  1. Letztlich entstehen viele Entwicklungshilfe-Projekte für Afrika aus verkapptem Rassismus („die können das nicht“) und wirtschaftlichem Protektionismus, um effizient erzeugte afrikanische Produkte als Marktkonkurrenz auszuschliessen.
    Deswegen wäre Afrika ohne Entwicklungshilfe sicher besser dran. Ob der Kontinent nicht schon zu lange am Tropf hängt und ohne überleben kann? Hilfe in akuten Hungersnöten wird wohl kaum ein westliches Land verweigern und alleine diese ist schon problematisch, weil sie die afrikanische Wirtschaft noch mehr schwächt.
    Es wäre wünschenswert, afrikanischen Wirtschaftsexperten mit ähnlicher Einschätzung wie Seitz in USA und Europa mehr Gehör zu schenken.

    • Genau! Es gibt übrigens auch eine ganze Reihe afrikanischer Ökonomen, die gegen Entwicklungshilfe sind.
      Vor etwas mehr als zwei Jahren ist ein sehr informatives SPIEGEL Special zu Afrika erschienen. Ein Artikel daraus findet sich auf diesem Blog, gemeinsam mit einer tollen Analyse des Afrika-Korrespondenten der NZZ: http://wp.me/pi0jo-5a

      Zusätzlich behindern die vielfältigen Zollschranken und Freihandelsbeschränkungen, verschärft durch die Agrar-Exportförderungen der EU, die Entwicklung der afrikanischen Wirtschaft. Deshalb räumen auch die acht Ökonomen (darunter 5 Nobelpreisträger) des „Copenhagen Consensus“ der schnellen Umsetzung der DOHA-Ziele allerhöchste Priorität ein: http://wp.me/pi0jo-o

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