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Arm und Reich. Klimaschutzpolitik und ihr Preis.

8 Kommentare

Das Gezänk um Erwärmungsdaten und Untergangsszenarien lenkt von grundsätzlichen Fragen zur Klimaschutzpolitik ab. Ist es klug, zu 100% auf die Vermeidung des Klimawandels zu setzen oder sollte man besser für die Anpassung an dessen Folgen vorsorgen? Und wie wirkt sich diese Entscheidung heute auf unser aller Leben aus?

Seit Jahren wird die Öffentlichkeit auf einen radikalen Kurs zur CO2-Vermeidung eingeschworen. Dabei wäre es höchste Zeit, einmal kurz innezuhalten und ein paar grundsätzliche Themen zu diskutieren.

Wissen wir, wie die einzelnen Klimafaktoren das Klima prägen? Diese Frage ist leicht beantwortet: Wir haben keine Ahnung. Unter Klimaforschern herrscht weder Einigkeit über die historischen Daten noch über die Einflussgrößen der einzelnen Faktoren. Zum Beispiel spricht vieles dafür, dass Sonnenaktivität und Wolkenbildung einen wesentlich größeren Einfluss auf das Klima haben als CO2. Auf Basis des derzeit gesicherten Wissensstands ist eine Klimaprognose für die nächsten 100 Jahre ungefähr so viel wert wie die A-Ratings von Lehman Brothers drei Tage vorm Konkurs.

Selbst wenn wir deutlich mehr über das Klima wüssten, bliebe eine entscheidende Frage unbeantwortet: Wer bestimmt, „dass der Zustand des Weltklimas heute das optimale Klima ist, das beste Klima, das wir je haben können oder jemals gehabt haben, und wir nun sicherstellen müssen dass es sich niemals ändert? Und welchen Menschen kommt das Privileg zu, zu entscheiden, dass genau dieses Klima, wie wir es hier und heute haben, das beste Klima für alle anderen Menschen ist?“ (Michael Griffin, ehem. NASA Chef).

Sollen wir unsere Ressourcen auf die Vermeidung des CO2-Ausstoßes konzentrieren? Wir gehen davon aus, dass CO2 erstens die globale Erwärmung verursacht und wir zweitens durch dessen Reduktion diese Erwärmung verhindern oder zumindest abschwächen können. Diese Strategie ist extrem riskant: Erweist sich nur eine der beiden Prämissen als falsch, haben wir hunderte Milliarden Euro umsonst ausgegeben – im schlimmsten Fall haben wir dann nicht mehr die Mittel, um allfällige Folgen des Klimawandels zu bekämpfen.

Selbst wenn wir unterstellen, dass es zu einer massiven Erderwärmung kommt, wäre es sinnvoller, sich rechtzeitig für die Folgen des Klimawandels zu rüsten, als alles auf die Karte zu setzen, diesen Wandel verhindern zu können. Jede Veränderung kennt Gewinner und Verlierer. Ein global gespeister Klimafonds könnte den Verlierern dabei helfen, die tatsächlichen Folgen der Erderwärmung zu bewältigen.

Anpassung ist Erfolg versprechender als Vermeidung um jeden Preis. Die Vorstellung, dass man das zukünftige Klima per Gesetz auf’s Grad genau regeln könne, entspringt nur der absurden Selbstüberschätzung einer anmaßenden Bürokratie. Da annektiert Gaddafi eher noch die Schweiz, als dass das wirklich funktionieren würde. In einem komplexen chaotischen System kann niemand die Auswirkungen einer Handlung zu Gänze absehen. So führte zum Beispiel die politisch motivierte Forcierung von Bio-Treibstoffen dazu, dass Regenwald abgefackelt wurde um Ölpalmen anzubauen und die weltweite Nachfrage nach Getreide stieg. Mit der Folge, dass sich der CO2 Ausstoß erhöhte und sich die Mexikaner ihre Tortillas nicht mehr leisten konnten. In den USA werden rund 140 Millionen Tonnen Mais angebaut, um daraus Bioethanol zu gewinnen. Für einen Liter Ethanol braucht man 4560 Liter Wasser. Ohne Klimaschutzhysterie wäre dieser Öko-Wahnsinn kaum vorstellbar.

Was uns zur wichtigsten Frage führt: Welche Auswirkungen hat der gegenwärtige Klimaschutzkurs im nationalen und im globalen Maßstab?

Fast alle Maßnahmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes funktionieren über Subventionen und Steuern, die eines gemeinsam haben: Sie treffen Arme überproportional stärker als Reiche. Können Wohlhabende immer noch Economy statt Business fliegen, bleibt den Einkommensschwachen nur der Verzicht auf Flugreisen. Höhere Treibstoffkosten bedeuten höhere Fracht- und Vertriebskosten und verteuern damit die Güter des täglichen Bedarfs.

Dirigistische Markteingriffe wie das EEG verteuern die Energiekosten jedes einzelnen auf Jahrzehnte hinaus. Noch dazu wird der technologische Fortschritt dadurch nicht gefördert sondern behindert: Indem man unrentable Stromerzeugung durch künstlich hoch gehaltene Abnahmepreise rentabel macht, befreit man die betreibenden Unternehmen von der Notwendigkeit, effizientere Technologien zu entwickeln.

International gibt es nur zwei Möglichkeiten, wenn man den CO2 Ausstoß drastisch reduzieren will: Entweder wir verhindern den wirtschaftlichen Aufholprozess der Schwellenländer mit dem Argument des Klimaschutzes oder wir treiben die De-Industrialisierung des Westens voran. Ersteres wäre an Zynismus kaum zu überbieten, die Alternative der einheimischen Bevölkerung nicht zumutbar.

Die Zielkonflikte zwischen armen und reichen Ländern manifestieren sich auch am Klimaschutz. Dem Klima ist nicht geholfen, wenn Stahlwerke aufgrund unterschiedlicher Emissionsgrenzwerte statt in der EU in der Ukraine errichtet werden. Der Ukraine schon.

Fernab von schmelzenden Polkappen und ertrinkenden Eisbären gibt es außerdem noch jede Menge reale Probleme, denen wir uns hier und jetzt zu stellen haben. Die absolute Priorität, die man dem Klimaschutz einräumt, ist in gewisser Weise zynisch. Mit einem Bruchteil der Kosten für Kyoto hätte man weltweit Unterernährung und Seuchen bekämpfen und Bildung und Gleichberechtigung fördern können. Darum hat es der Klimaschutz auch nicht auf die Agenda des Copenhagen Consensus geschafft. Zu teuer die Maßnahmen, viel zu unsicher das Ergebnis. Jeder Euro für den Klimaschutz ist zugleich ein Euro gegen so profane Dinge wie Impfprogramme, Zusatzstoffe in der Kindernahrung zur Vermeidung von Mangelerscheinungen, Erhöhung der Bildungschancen für Mädchen, Malariavorsorge oder Tuberkulosebehandlung.

Das ist kein Plädoyer für Energieverschwendung. Nichts spricht gegen bessere Wärmedämmung oder gegen Ressourcen schonende Produktionstechnologien. Aber alles spricht gegen aktionistische Symbolpolitik, die sich in einem modernen Ablasshandel auf persönlicher und nationaler Ebene erschöpft. Egal wie man es dreht und wendet: Die einseitige Ausrichtung der Klimapolitik auf den CO2 Ausstoß hat einen hohen Preis und geht hauptsächlich zu Lasten von ohnehin schon Unterprivilegierten.

Es geht nicht zuletzt um die unterschiedlichen Perspektiven von arm und reich. Die aktuelle Klimaschutzpolitik ist ein Projekt der wirtschaftlichen und sozialen Eliten, die von den ärmeren Schichten Verzicht einfordern, während sie sich selbst mit dem Erwerb von Klimazertifikaten von ihrem schlechten Gewissen freikaufen.

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P.S.: Einige wenige Politiker sehen das Problem sehr klar: Wolfgang Gerhardt fasst einen Aufsehen erregenden SPIEGEL-Essay von Björn Lomborg prägnant zusammen. Ist schon allein deshalb lesenswert, weil der Essay selbst leider nicht online zur Verfügung steht.

P.P.S.: Inzwischen ist der Essay von Björn Lomborg online zu lesen.

8 thoughts on “Arm und Reich. Klimaschutzpolitik und ihr Preis.

  1. Pingback: Der Klima – Wahn « Sceptic Maniac

  2. Die westlichen Länder wollen nur die Öffentlichkeit beruhigen. Wenn die Autofirmen in den 3. Weltstaaten Autos exportieren dürfen, dass kein Katalysator besitzt und 19 Liter auf 100 km verbraucht, muss man sich nicht wunder, was geschrieben oder gesagt wird. Die Autos werden zum Teil vor Ort zusammengebaut, um die europäische Öffentlichkeit zu umgehen. Alles ist Schwachsinn. Sie denken wohl beim Klima und Wetter können sie wie bei den Grenzen eine Mauer hochzuziehen.

    Frohes Fest.

    http://maziarworld.wordpress.com

  3. Gegen die Erwärmung stemmen, oder eventuelle Folgen abschätzen (vielleicht sind sie ja der Himmel?).
    Perfektes Destillat des Dilemmas, Thomas.

    Das erinnert mich an: an Gott glauben oder nicht, oder die Folgen abschätzen (könnte ja der Himmel sein?)

    Die Glaubensökonomen: ich glaube an ihn, dann winkt der Himmel. Gibt es ihn nicht, nichts passiert.
    Dabei übersehen sie, dass ja auch noch ein Jesus im Spiel ist.
    Sie leben in Sünd-und-Braus, weil Jesus, ja alle Sünden absorbiert. Gibt es aber Gott und Jesus ist nur ein Mythos, dann geht es ab in die Hölle.

    Ich, Atheist, lebe (aus reiner Vernunft) ohne Sünde. Ein eventueller Gott könnte mich nicht in die Hölle schicken, weil ich diese mit meiner Reinheit völlig versaute. Also komme ich in den Himmel.

    Deshalb, Vorsicht mit Folgeabschätzung. Kein Detail übersehen.

  4. Ich verstehe vom Thema nicht allzu viel, aber eines weiß ich:

    Mit Angst kann man viel Politik machen und, was ich noch viel schlimmer finde, eine neue Diktatur aufrichten:

    http://castollux.blogspot.com/2009/12/aufgeschwatzte-eisbaren-und-die.html

    Ich halte zwar nicht viel von Verschwörungstheorien, aber ich denke, dass hier etwas am Dampfen ist, was uns noch große Demokratiedefizite bescheren wird.

  5. Kurz und bündig
    5,12 x 10^15 t ist die Masse der Luft, davon 0,058 Gewichtsprozent CO2 = 2,969 x 10^12 t = 385 ppm.
    Die globale Temperatur soll in den letzten 100 Jahren um 0,8°C und der CO2-Gehalt um 100 ppm gestiegen sein.
    Daraus folgt:
    7,712 x 10^9 t (1 ppm) x 125 = 969,96 x 10^9 t = + 1°C, d.h. rund 1.940 Milliarden Tonnen CO2 müßten netto in die Atmosphäre eingetragen werden um einen Temperaturanstieg von 2° zu erreichen.
    Ohne Berücksichtigung, dass der Temperaturanstieg nicht einmal linear verläuft und das CO2 von Pflanzen in Biomasse umgewandelt wird, dauert dieser Prozess bei gleichbleibendem jährlichen Eintrag von 36 Mrd t schon mal gut 54 Jahre, unter Einbeziehung dieser Faktoren und steigender Emission geschätzte 250 Jahre!

    Wer da noch an das AGW-Märchen glaubt, kann entweder nicht rechnen, kennt die Grundlagen nicht, oder ist von irgendeinem obskuren missionarischem Eifer befallen.

    • Sind bei den 0.8 °C schon Feedbacks, zyklische Schwankungen, chaotisches Verhalten und runaway-Prozesse mit eingerechnet?

      • Das hat bereits die Natur berücksichtigt, der Wert resultiert ja angeblich aus mehr oder minder exaten Messungen in der Vergangenheit und da hoffe ich doch, dass keine „gefühlten“ Temperaturen enthalten sind.😉

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