S t a n d p u n k t e

Ein Monat pro Knochen

3 Kommentare

Auf hoher See und vor Gericht sei man in Gottes Hand, sagt man. Manchmal kann man diesen Gott nur schwer verstehen.

In Klagenfurt stand ein Vater vor Gericht, der seinem sieben Wochen alten Baby 24 Knochen gebrochen hat. Jetzt wurde er in erster Instanz zu 20 Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verständlich ist es auch nicht: entweder es handelt sich um einen Unfall und keine Misshandlung (wie der Vater behauptet), dann wäre er vom Vorwurf der absichtlichen schweren Körperverletzung und dem Quälen Unmündiger freizusprechen. Oder er ist schuldig, dann sind 20 Monate zu wenig.

Nicht einmal ein Monat pro Knochen – ein wohlfeiles Angebot für Kindesmisshandler.

Quelle: http://kaernten.orf.at/stories/432062

3 thoughts on “Ein Monat pro Knochen

  1. Was die Rechtspraxis betrifft ist Familie, wie Kirche, ein hermetisch abgeschlossenes System, in welchem das Ganze als viel bedeutender eingestuft wird als die Individuen.
    Völlig gegen die Aufklärung.
    Richter sind auch Väter und Mütter und fürchten nichts mehr, als einen Einblick in eine Welt, die sie für heil halten und die doch meist so verheerend sein kann.
    Unter den vielen Göttern, die mensch sich so hält, ist der Familiengott einer der schlimmsten.

  2. Manchmal kann man diesen Gott nur schwer verstehen

    Ich kann die Anmerkung menschlich gesehen sehr gut nachvollziehen und das manchmal natürlich erst recht, besonders dann, wenn es Unglücksfälle betrifft, naturkatastrophen, ein Kind früh an Krankheit stirbt etc.

    Da ist m.E. Schweigen oder Klagen angesagt (Hiob).

    Hier aber liegt der Fall klar auf der Hand:

    a) verantwortlich für das Verbrechen ist ausschließlich der Täter, sonst niemand.

    b) verantwortlich für die katastrophale Rechtsprechung in diesem Fall sind die Richter, weil sie nicht angemessen reagierten.

    An Gott würde ich da am allerwenigsten verzweifeln, eher an den Menschen.

    Ihn kann man höchstens dafür „verantwortlich“ machen, dass er uns mit einem freien Willen ausgestattet hat.

    Wozu der freie Willen letztendlich führt liegt wiederum in unserer Verantwortung bzw. in unserer Gewissensentscheidung begründet. Wenn hier die Verantwortung, schlechthin das Faustpfand für die Freiheit, nicht zum Tragen kommmt, entstehen solche Dinge, wie sie tagtäglich in der Zeitung zu lesen sind.

    • Lieber Bernd,
      ich habe diese Formulierung als bloßes Wortbild verwendet. Als Atheist habe ich gar keinen Gott, an dem ich zweifeln könnte. Der Mensch hat Gott gemacht, nicht Gott den Menschen. Ist natürlich auch eine Art Glauben. Aber das ist eine andere Geschichte …

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