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Ein Kommentar

Armes Afrika

Das französische Magazin L’Express hat am 12.2.2009 ausführlich über die angehäuften Reichtümer afrikanischer Präsidenten in Frankreich berichtet. Da kann man sich schon die Frage stellen, ob die Familie des Präsidenten von Gabun, Ali Bongo, 39 Anwesen meist in bester Lage in Paris, 70 Bankkonten und 9 Luxusautos benötigt. Denis Sassou Nguesso, der Präsident von Kongo Brazzaville, besitzt nur 18 Anwesen, braucht aber 112 Bankkonten. Bescheiden ist demnach der Präsident des benachbarten Inselstaates Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema. Von ihm sind nur ein Anwesen und ein Bankkonto bekannt. Dafür hat sein Sohn in Frankreich einen Wagenpark von 8 Maybachs, Ferraris, Bugattis, Maseratis und Rolls-Royce mit einem Wert von 4,2 Millionen Euro. Natürlich braucht der Sohn des Präsidenten auch einen Jet (33,8 Mill. Dollar) und eine bescheidene Villa in Malibu (35 Mill. Dollar). Dazu passt eine Meldung der Sunday Times vom 14. Februar 2009, dass der Präsident von Simbabwe Robert Mugabe in Hongkong eine Villa für 5,6 Millionen US Dollar gekauft hat. Während das Volk von Simbabwe unter bitterer Armut leidet, Schulen und Krankenhäuser geschlossen sind, hatte Mugabe nach südafrikanischen Medienberichten ein verschwenderisches Fest zu seinem 85. Geburtstages mit 8000 Hummer, 2000 Flaschen Champagner, 500 Flaschen Whisky und 4000 Portionen Kaviar gefeiert.

Volker Seitz, Entwicklungshilfe-Blog

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Afrika wird armregiert

Michael Kreutz rezensiert im Transatlantic Forum das Buch von Volker Seitz: Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann. München 2009: dtv.

Noch nie zuvor gab es einen solchen Transfer von Hilfsgeldern. Die Länder Schwarzafrikas erhalten Entwicklungshilfe in einer Grösse von durchschnittlich 13 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts – und werden dennoch immer ärmer. Ghanas Pro-Kopf-Einkommen – zur Zeit seiner Unabhängigkeit das höchste des Kontintents – fiel von 440 USD 1992 in nur zehn Jahren auf 270. Heute lebt mehr als die Hälfte der 17 Mio. Ghanaer in Armut. Was ist schiefgelaufen?

Der Diplomat Volker Seitz kennt Afrika aus eigener langjähriger Erfahrung. Dass der Kontinent vom Rest der Welt in Armut gehalten werde, hält er für einen Mythos. In seinem Buch “Afrika wird armregiert” plädiert er stattdessen dafür, die westliche Entwicklungshilfe grundsätzlich zu überdenken. Seine These: Entwicklungshilfe nützt vor allem den Diktaturen – und den Eintwicklungshelfern, deren Tätigkeit sich schon lange verselbständigt hat.

Grundübel ist die schlechte politische Infrastruktur der meisten afrikanischen Länder, in der eine überbordende Bürokratie, grassierende Korruption und ein Mangel an Verantwortungsgefühl jeglichen Fortschritt lähmen.

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Zum selben Thema äußert sich auch Vince Ebert auf der Achse des Guten:

Pro Jahr fließen fast 70 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe dorthin. Alleine der Kongo, mit all seinen Bodenschätzen das potentiell reichste Land Afrikas, wird mit zwei Milliarden Euro Hilfsgeldern pro Jahr praktisch überflutet. Geld, das hauptsächlich für Präsidentenpaläste, Schnellfeuergewehre und Großraumlimousinen ausgegeben wird.

Wenn tatsächlich Projekte vorangetrieben werden, dann dienen sie vor allem dafür, den Geberländern Effektivität und Produktivität vorzugaukeln. Ähnlich wie in Russland zu Zeiten des Kommunismus. Damals baute man gigantische Maschinen, die Kohle und Erz förderten. Dann verbrannte man die Kohle, um das Erz zu schmelzen, das man dann zum Bau von gigantischen Maschinen benutzte, die Kohle und Erz förderten. Die nigerianische Regierung hat mehrfach bewiesen, dass das gleiche Konzept problemlos auch mit Erdöl funktioniert.

Seit 1960 wurde die Summe von sechs Marshallplänen in den schwarzen Kontinent gepumpt. Damals betrug der Anteil Afrikas (ohne Südafrika) am Welthandel neun Prozent. Heute liegt er bei 1,6 Prozent. Einziger Lichtblick: Man kann wohl auch in Zukunft keine Arbeitsplätze nach Afrika auslagern.

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Das Elend des schwarzen Kontinents

Seit den sechziger Jahren sind vom Westen geschätzte 2,3 Billionen Dollar nach Afrika gepumpt worden. Trotzdem erstarrt der Kontinent in Armut und Rückständigkeit. Die Stimmen mehren sich, dass das nicht trotz sondern wegen der Unsummen so ist, die sich aus dem Füllhorn der Entwicklungshilfe über den Kontinent ergießen. Thilo Thielke zieht im SPIEGEL ein schonungsloses Fazit:

Die meisten Kriege, die am schlimmsten wütenden Krankheiten, die wildwuchernde Korruption. Kaum eine Schreckenstabelle, in der es die Afrikaner nicht zu traurigen Rekorden bringen würden. Wo sagenhafte Bodenschatzreserven und günstiges Klima (Kongo, Nigeria, Sierra Leone) ein angenehmes Leben und Wohlstand für alle hätten bringen können, toben oder tobten verheerende Kriege und bereichern sich Kleptokraten auf geradezu unverschämte Weise. Ganz zu schweigen von Ländern wie Simbabwe, die einmal eine wahre Kornkammer gewesen sind, und wo jetzt starrsinnige Diktatoren alles in Grund und Boden wirtschaften. (pdf)

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Auch der Afrika-Korrespondent der NZZ, Kurt Pelda, kommt zum Schluss, dass die korrupten politischen Eliten des Kontinents die Hauptverantwortung dafür tragen, dass der Großteil der Schwarzafrikaner noch immer in Verhältnissen lebt, die an das Mittelalter erinnern.

Trotz den Hunderten von Milliarden Franken, die in den letzten Jahrzehnten als Entwicklungshilfe nach Schwarzafrika geflossen sind, bleibt Afrika der am wenigsten entwickelte Kontinent der Welt. Als Ghana 1957 als erster schwarzafrikanischer Staat unabhängig wurde, war das Land ungefähr auf dem Entwicklungsstand von Südkorea. Heute liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Südkorea jedoch neunmal höher als in Ghana. Obwohl der Schwarze Kontinent derzeit die stärkste Wachstumsphase der letzten 30 Jahre durchläuft, lebt ein Grossteil seiner Bewohner nach wie vor in Verhältnissen, die an das Mittelalter erinnern. Die Zahl der Schwarzafrikaner, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, hat sich seit Beginn der achtziger Jahre fast verdoppelt, und zwar von 164 Millionen auf mehr als 300 Millionen. Im selben Zeitraum ging diese Zahl in Asien um mehr als 70 Prozent zurück.

Schwarzafrikas Politiker und viele Entwicklungshelfer geben dem Kolonialismus und dem angeblich unfairen Welthandelssystem die Schuld an den heutigen Problemen des Kontinents. Statt mit den kolonialistischen Traditionen zu brechen, benützten Afrikas politische Eliten aber in Wirklichkeit die von den Kolonialisten eingerichteten Strukturen, um ihre Länder selbst nach Strich und Faden auszubeuten und sich masslos zu bereichern. Statt in ihren eigenen Ländern zu investieren, schafft die politische Elite die veruntreuten Gelder ins Ausland. Selbst laut unverdächtigen Quellen wie der Uno-Wirtschaftskommission für Afrika ist die Kapitalflucht aus Schwarzafrika um einiges höher als die nach Afrika strömende Entwicklungshilfe.

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